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Chronik 1878-1900

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1878

6. Februar: Erste Versammlung im Hotel «Schweizerhof» in Rüti zwecks Gründung eines Musikvereins. Sie entstand durch Verschmelzung der beiden Tanzmusiken Löwen- und Pfauen-Tanzmusik. Seine Gründer sind die Herren:

Peter Artho Rüti
Karl Artho Rüti
Adolf Artho Rüti
Jean Beglinger Rüti
Wilhelm Egli Rüti
Jakob Tobler Rüti
Rudolf Ottiker Rüti
Heinrich Honegger Rüti
Rudolf Baumann Rüti
Jakob Hüni Tann
Jakob Homberger Tann

Zur Gründung einer Vereinskasse hat jedes Mitglied Fr. 3.- zu bezahlen. Der Neugegründete Verein nennt sich «Dilettanten-Musikkorps Rüti-Tann».

7. April: Auf dem Zirkularwege sind bereits 70 Passivmitglieder dem Verein beigetreten.

22. April: Erstes Konzert im Hotel «Löwen» in Uniform. Wann und wie die Uniformen angeschafft wurden ist nicht vermerkt.

21. Juli: Erstes Konzert ausserhalb der Gemeinde Rüti, im «Rössli» in Jona.

11. August: Besuch des ersten kantonalen Musikfestes in der Tonhalle Zürich mit dem Wettstück: «Arie aus d. Oper Attila» von Verdi. Der Verein erhält den dritten Lorbeer.

1879

18. Januar: Erste Generalversammlung im Hotel «Pfauen».

25. Mai: Besuch des kantonales Musikfestes in Wetzikon. Für gute Leistung wurde dem Verein der 4. Lorbeer zuerkannt.

22. Juni: Grosse Überraschung durch Überreichung von Fr. 480.- durch freiwillige Beiträge der Passivmitglieder.

1880

21. August: Der Vereinsname «Dilettantenmusikkorps» wird nicht mehr für zeitentsprechend befunden. Er wird umbenannt in «Helvetia» Rüti-Tann.
Es wird die Anschaffung einer Vereinsfahne beschlossen in den Farben weiss und blau.

6. Oktober: Ein Aktivmitglied wird wegen Gleichgültigkeit aus dem Verein ausgeschlossen. Ende Oktober wird ein weiteres Mitglied aus denselben Gründen ausgeschlossen.

10. November: Fahnenweihe. Patensektion ist der Männerchor Rüti. Folgende Gastvereine sind anwesend: Stadtmusik «Konkordia» Zürich, Harmonie Wetzikon, Militärmusik Laupen-Wald, Verena Stäfa.

1881

22. Mai: Besuch des Zürcher kantonalen Musikfestes in Wald, ohne Rangordnung.

31. Mai: Die strenge Vereinsdisziplin erheischt wieder den Ausschluss eines Aktiven.

9. Oktober: Gemeinsames Wohltätigkeitskonzert in der Kirche, gegeben von den Rütner Gesangvereinen und der «Helvetia» für die Hagel- und Bergsturzbeschädigten. Einnahmen Fr. 473.-.

31. Dezember: Es wird der Eintritt in den eidgenössischen Musikverein beschlossen.

Helvetia 1881

1882

21. Mai: Wiederum ein Ausschluss eines Aktivmitgliedes wegen Vernachlässigung der Vereinspflichten.

21. Oktober: Beschlussfassung zur Übernahme des nächsten kantonalen Musikfestes.

1883

27. Mai: Zürcher kantonales Musikfest in Rüti. Zum friedlichen Wettkampf haben sich folgende Musikvereine eingefunden: Musikverein Tösstal, Alpenrösli Zürich, Harmonie Wetzikon, Harmonie Wald, Eintracht Töss, Verena Stäfa, Toggenburger Musikverein.

21. Juli: Besuch des Musikfestes in Rheinfelden. Als Wettstück wurde gespielt: Ouvertüre von Neumann. Für vortreffliche Leistungen erhielt der Verein den 2. Lorbeerkranz.

1884

6. März: Verlegung des Vereinlokals ins Restaurant Habersaat.

6. September: Es wird die Anschaffung einer neuen Uniform beschlossen, welches aber jedes einzelne Mitglied selber zu bezahlen hat.

1885

16. Februar: Generalversammlung im Hotel Pfauen. Für nächtliches Musizieren wird eine Busse angesetzt.

18. April: Letzte Probe im Schulhaus. Die Schulpflege hat dem Verein infolge Unordnung im Probelokal einen Verweis gegeben, ja sogar mit der Kündigung gedroht. Darum zogen die braven Musiker den freien Willen vor dem Müssen vor. Als Probelokal wird das Lokal zum Restaurant Habersaat gewählt.

2. Mai: Vereinsbeschluss: Besuch des kantonalen Musikfestes in Winterthur sowie die Anschaffung von Regenmänteln.

21. Juni: Besuch des Zürcher kantonalen musikfestes in Winterthur mit dem Wettstück «Jubel-Ouvertüre» von Bach. Eine Rangordnung ist nicht ersichtlich.

22. November: Mitwirkung anlässlich der Einweihung des Krankenasyls Rüti.

22. Dezember: Wegen Vernachlässigung der Vereinspflichten musste ein Aktivmitglied aus dem Verein ausgeschlossen werden.

1886

13. Februar: Generalversammlung. Einstimmig wird der Besuch des eidgenössischen Musikfestes in Luzern beschlossen.

8. Mai: Besuch des eidgenössischen Musikfestes in Luzern. Unser Verein war vom Glück weniger begünstigt. Mit dem 2. Eichenkranz mussten sich die Rütner begnügen.

16. September: Das bisherige Probenlokal, in dessen Räumlichkeiten die Stimmung sehr litt, wird in das Hotel Löwen verlegt. Dagegen wird das Lokal als Vereinslokal beibehalten.

1887

5. März: Generalversammlung im Restaurant Peterson. Der ganze Vorstand mit dem Vizepräsidenten demissioniert. Kritische Zeit. Ein neuer Vorstand wird bestellt.
Eine schwere Gewitterwolke stand über dem Vereinshimmel, doch auf Regen folgt stets Sonnenschein. Der Marsch «unter Kameraden» lenkte die erregten Gemüter wieder in geordnete Bahnen. Die Macht der Töne brachte wieder Verbrüderung in den Verein und fröhlich wurde bis in die späte Nacht hinein musiziert.

17. März: Der erwähnte Friede war nur von kurzer Dauer. Direktor Karl Artho erklärt seine Demission. Zwietracht, Misstrauen und gegenseitige Vorwürfe waren an der Tagesordnung.
Nach vielen Bemühungen konnte Herr Direktor Karl Artho wieder bewogen werden, die musikalische Leitung zu übernehmen, aber nur unter folgenden Bedingungen: Entlassung als Aktivmitglied. An Stelle der üblichen Gratifikationen eine Jahresbesoldung. Der Verein erklärt sich mit dem Vorschlag einverstanden. Als Salär werden dem Direktor Fr. 120.- zugesprochen. Wenig, aber von Herzen!

7. August: Besuch des Zürcher kantonalen Musikfesten in Turbenthal. Eine Rangordnung mit Kränzen fand nicht statt, doch sollen unsere «Helvetianer» die Ouvertüre zur Oper «Stradella» von Flotow sehr gut gespielt haben. Nach der Ankunft in Rüti wurde im Schweizerhofgarten weitermusiziert. Die Freude soll so gross gewesen sein, dass man einander umarmte, bis einem die Uhr in der Westentasche zerdrückt wurde.

1888

8. September: Erneuter Ausschluss eines Vereinsmitgliedes wegen Vernachlässigung der Vereinspflichten.

30. September: Besuch des Zürcher kantonalen Musikfestes in Uster mit dem Vortragsstück «Die Grossfürstin» von Flotow. Kränze wurden keine verabreicht.

1889

9. April: Der Probenbesuch liess sehr zu wünschen übrig. Für Fehlende wird eine Busse von Fr. 2.- verhängt. Der Beschluss soll seine Wirkung nicht verfehlt haben.

18. Juni: Besuch des ostschweizerischen Musikfestes in Schaffhausen. Die wackere Leistung wurde mit dem zweiten Lorbeer gekrönt.

1890

5. und 6. Juli: Besuch des eidgenössischen Musikfestes in Thun. Als Wettstück wird die Festouverture von Latan vorgetragen. Die gute Leistung wurde mit dem 5. Lorbeer ausgezeichnet.

17. August: Besuch des kantonalen Musikfestes in Wald, ohne Rangordnung.

1891

21. Januar: Vom Paukisten Pirmin Seiler liegt eine Entschuldigung vor, da er wegen Nachtarbeit der heutigen Probe nicht beiwohnen kann. Seine Unterschrift mit Anhang verdient, hier erwähnt zu werden. Achtungsvoll zeichnet: Pirmin Seiler, «Helvetianischerpaukenzimbaldreiangelmaltraiteurvirtuositätendreinschlager- ufmacherfehlerverdeckenderohrenbetäubendergeneralpausenverachtendes Individuum».

21. Juni: Statutenrevision

1. August: Mitwirkung an der 600-Jahr-Feier im Musikpavillon.

1892

18. Februar: Prüfung der Statuten des ostschweizerischen Musikverbandes und Eintritt in denselben.

16. Juni: Weitragender Beschluss betreffend Anschaffung von neuen Musikinstrumenten, welche den Grundstein der späteren grossen Erfolge des Vereins niederlegten. Das hierzu nötige Geld von Fr. 2500.-, mit 4% Zins, kreditierte Herr Honegger-Fierz, Rüti, für welches jede einzelne Mitglied Bürgschaft leistete.

16. Juli: Einstimmiger Vereinsbeschluss: Die Konzerteinnahmen sollen in Zukunft für die Abzahlung der Instrumentenschuld und für den Besuch von Musikfesten verwendet werden. Bis dato wurden die Konzerteinnahmen an die Mitglieder verteilt.

23. Juli: Die neuen Instrumente der Firma Cerveny in Königgrätz sind eingetroffen und wurden gehörig eingeweiht.

14. August: Kantonales Musikfest in Rüti. Die neuen Holzinstrumenten sind am Festmorgen noch eingetroffen.
Als Vortragsstück spielte die «Helvetia» die Ouverture zur Oper «Der Prätendent» von Kücken. Im wahren Sinne des Wortes, der 14. August war ein Ehrentag für die wackere Schar.

1893

6. Oktober: Der jeweilige starke Besuch der Winterkonzerte im Hotel Löwen bedingt die Abhaltung von zwei Konzerten. Diese Notwendigkeit wird zum einstimmigen Beschluss erhoben. Als Konzertlokale werden der Pfauen- und Löwensaal bestimmt.

Ende dieses Jahres zählte der Verein 26 Aktiv-, 31 Ehren- und 249 Passivmitglieder.

1894

6. Mai: Besuch des Musikfestes der «Konkordia» in Zürich mit dem Wettstück «Das Nachtlager von Granada». Erfolg: 6. Lorbeer mit silbernem Becher. Am Montag grossartiger Empfang durch die Ortsvereine.

4. November: Wohltätigkeitskonzert mit den hiesigen Gesangvereinen für das hiesige Krankenasyl. Einnahmen: Fr. 391.05.-.

1895

10. Februar: Konzert im Gasthof zum «Rössli» in Stäfa. Die unerwarteten musikalischen Leistungen veranlassten das Stäfnerblatt, die «Helvetia» Rüti-Tann zum Elite-Verein zu stempeln.

20. Juli: Anfragen für Gartenkonzerte vom Hotel «Dolder» Zürich, «Drahtschmidli» Zürich und «Sihlhölzli» Zürich mussten verneinend beantwortet werden.

11. August: Die längst in Aussicht gestellte Aufnahme einer Vereinsphotographie kam heute zur Verwirklichung.

Helvetia 1895

1896

7. Januar: Austritt aus dem ostschweizerischen Musikverband, denn drei Musikverbänden anzugehören war des Guten zuviel.

10. Mai: Besuch des kantonalen Musikfestes in Bauma. Als Vortragsstück wurde die Ouverture zum Melodrama «Eine Uhr» von Händel gespielt. Es erfolgte keine Rangordnung.

1897

15. Mai: Es wird ein Vertrag für die Benutzung des Löwensaales für die Proben abgeschlossen. Preis pro Jahr: Fr. 50.-.

30. Mai: Besuch des Musikfestes in Rapperswil. Als Wettstück wurde gespielt: Fragment aus Lohengrin, v. R. Wagner. Der zweite Lorbeer mit silbernem Becher lohnte die gute Arbeit.

4. Juli: Besuch des eidgen. Musikfestes in St. Gallen. Vorgetragen wurde die Ouverture «Iphygenie von Aulis» von Gluck. Dies ergab den 4. Lorbeer, was mit grosser Freude entgegengenommen wurde. Am heimatlichen Herd angelangt und von einer riesigen Volksmenge empfangen, ging's mit klingendem Spiel im Festzug durch das Dorf, wo im Schweizerhofgarten die offizielle Begrüssung und Beglückwünschung stattfand.

10. Juli: Kaum sind die schönen Festklänge von St. Gallen verklungen, steigen schwere Gewitterwolken am Vereinshimmel auf. Drei Aktivaustritte der Bassisten sind dem Präsidenten zugestellt worden. Grund waren Gesundheitsrücksichten sowie eine entfernte Arbeitsannahme.

24. Juli: Hatten die drei Austritte genannter Bassisten dem Verein schon einen ordentlichen Hieb versetzt, so musste man das Sprichwort «Es kommt ein Unglück selten allein» doppelt erfahren. Die vor dem eidgen. Fest geäusserten Austrittsgedanken des langjährigen Direktors, Herrn Karl Artho, wurden zur Tatsache. Die vakante Stelle wird in der Neuen Zürcher Zeitung und in der Schweiz. Musikzeitung ausgeschrieben. Salär: Fr. 500.-.

11. September: Heinrich Hüni zum «Falken» als gegenwärtiger einziger Bassisten stellt dem Verein ein Ultimatum: Entweder wird das Vereinslokal in den Falken verlegt, oder ich erkläre den Austritt als aktiv aus dem Verein. Gestützt auf das langjährige gute Einvernehmen mit dem bisherigen Lokalwirt beschliesst der Verein, die bittere Pille zu schlucken. Der Austritt das Bassisten wird angenommen, da inzwischen ein neuer Bassisten dem Verein beigetreten ist.

Ein erfolgreiches, aber auch an Schicksalsschlägen reiches Jahr ist das Jahr 1897. Gegenüber zehn Austritten als Aktiv hat das Protokoll acht Eintritte zu verzeichnen. Am Jahresschluss zählte der Verein noch 21 Aktivmitglieder. Eine grosse Anzahl Engagements konnten infolge der durchgemachten Krise nicht angenommen werden.

1898

Eingangs dieses Jahres schreibt der neue Aktuar: Der musikalischen Kost fehlte dieses Jahr der Gewürzzusatz eines alle Kräfte anspannenden Musikfestes. Nach dem erfolgreichen Besuche des eidgen. Musikfestes in St. Gallen sind wir nicht mehr auf Eroberungen ausgezogen. Des Sieges für einige Zeit genug, bleiben wir einstweilen am heimatlichen Herde, bis die Wunde einigermassen geheilt, welche unser Verein erlitten durch die vielen Austritte unserer besten Veteranen.

1899

11. Februar: Einstimmiger Beschluss für Anschaffung von neuen Uniformen. Als Lieferant wird Herr Helbling aus Rapperswil bestimmt. Für die Neuanschaffung hat jedes Mitglied Fr. 30.- zu zahlen.

9. August: An dieser Probe wird ein Mitglied wieder nach Hause geschickt, da es an der vorherigen Spezialprobe unentschuldigt wegblieb.

27. August: Besuch des Zürcher kantonalen Musikfestes in Horgen. Mit der Ouverture zur Oper «Rienzi» , von R. Wagner, errang die «Helvetia» mit der gleich hohen Punktzahl (13) wie die Stadtmusik Winterthur den 1. Lorbeerkranz. Eine grosse Überraschung wartete auf uns am Bahnhof in Rüti. Nebst den hiesigen Ortsvereinen mit ihren Fahnen und einer grossen Volksmenge gastierte die Feldmusik Jona als Empfangsmusik.

28. Oktober: Eintreffen der neuen Uniformen. Faktura Fr. 2430.-.

1900

8. Juli: Besuch des eidgen. Musikfestes in Aarau. Mit der Ouverture zur Oper «Oberon», von C. M. v. Weber, errang der Verein mit 31 Punkten den 3. Lorbeer. Dass das Festleben und der Festwein bei einigen Mitgliedern ihre Wirkung ausübten, ist wohl der sicherste Beweis, dass einige die Aarauer Kaserne, wo wir legierten, im benachbarten Kanton Solothurn suchten.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 16. Juli 2009 um 22:16 Uhr

 

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